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Sehnsucht

Was liegt hinter Brügge?

Während er die Straße fixierte, spürte er, dass auch sie krampfhaft durch die Windschutzscheibe starrte. Ihn nicht ansah, um in seinem Gesicht einen Entschluss zu erahnen. Dass sie ihn einfach fahren und ihm die Kontrolle über Route und Zukunft ließ.

Wir sehen uns in Alaska

“Und, ist es so gut, wie alle sagen?”
Ich reagierte erst nach drei Sekunden, weil mir gar nicht klar war, dass die Frage mir gegolten hatte. Erschrocken blickte ich auf und sah in das erwartungsvolle Gesicht einer Frau, die ich etwas jünger schätzte als mich, Ende 20 vielleicht.

Wovon sollen wir leben

Eigentlich wollte er nur noch nach Hause. Er schmiss die letzten Kabel neben den sündhaft teuren Verstärker in seinen Bus und war gerade im Begriff die Hecktüren zuzuschlagen, als er doch noch einmal das abgewetzte Case herauszog und die Fender Dreadnought in die Hand nahm.

Zeit, aufzuwachen

Es ist zu schön hier, um den negativen Dingen in meinem Leben Beachtung zu schenken. Ich schließe die Augen, atme das Meer ein und spüre das feuchte Gras unter meinen nackten Füßen. Nie hätte ich erwartet, einem Ort, an dem es mehr Schafe als Menschen zu geben scheint, so zu verfallen.

Landungsbrücken raus

Ein überfülltes Shopping-Center, beißender Chinese-Food-Geruch, draußen eine irre Hitze und wir beide laufen uns beinahe über den Haufen. Völlig ohne Vorwarnung. In der Stadt, die wir beide so lieben. Obwohl ich längst woanders lebe und auch du erst seit kurzem wieder dort wohnst. Obwohl ich nur einen Tag beruflich in der Stadt bin und du nur selten in deiner Mittagspause durch dieses ungemütliche Center spazierst…

Zwei Stunden

„Wollen wir nicht einfach hier bleiben? Ich hab grad irgendwie keine Lust, bei der Hitze noch rauszugehen“, lässt du so spontan wie möglich fallen, noch bevor ich deine Wohnung richtig betreten habe…

FUCK!

„Ey, weg da! Das ist mein Platz!“ Die ätzende Fahne aus Sprit und Fäulnis reißt mir die Augen auf und bringt sie gleichzeitig zum Tränen. Nur noch vier Zähne in der Kauleiste, alle schwarz, und der Bart so schmierig, dass ich Angst hab, er fängt gleich zu triefen an. Ich bin immer noch völlig benebelt…

Im Schatten

Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden. Mia blickte ihm auf die abgewetzten, braunen Stiefel…

© 2020 Christian Woehl

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